Danke, Herr Jesus

Danke, Herr Jesus

Die eigene Philosophie ist Privatsache. Andere Menschen dürfen glauben, was sie möchten. Das Leben der Menschen in Portugal heute, erscheint mir schön. Um so mehr wundern mich entrüstete Kommentare wie: „Nach Portugal wollt Ihr? Das ist doch viel zu katholisch.“ Was sagt uns dieses Vorurteil? Im deutschen Wikipedia gehört die Religionsangabe für jedes Land zum Standard. Im portugiesischem Wikipedia nicht. So laizistisch denken die Wikis in beiden Ländern. Denkpause!

Die Zahlen über Portugal sind im deutschen Wikipedia falsch recherchiert (so zwischen 85 und 95%, lautet die präzise Angabe. Stand: 17.12.20). Ich habe beim Statistik-Institut INE nachgeschaut, danach haben 81% der Portugiesen über 15 Jahre angegeben, katholisch zu sein. Rund 15% sind areligiös oder schweigen zu der Frage, so wie ich das tue. Muss ich mich jetzt fürchten?

Die Ladenöffnungszeiten sind liberaler als in Deutschland. Die Abtreibungsregeln wie bei uns. Gefeiert wird auch. Prozessionen wie in Bayern. Im Algarve und Alentejo haben wir als Weihnachtsschmuck in den Straße meistens ‚Boas Festas‘ gelesen, und seltener ‚Feliz Natal‘. Und selbst in Viana do Castelo hat sich der Umweltschutz gegen den größten Weihnachtsbaum Europas durchgesetzt. Und wenn einer im Radio ‚Danke Jesus‚ singt, dann meint der Brasilianer den portugiesischen Fußballtrainer Jorge Jesus. Denn o senhor Jesus lebt in Portugal also wirklich!

Na gut! So laizistisch wie Wikipedia ist Portugal nun auch wieder nicht. Jede Gemeinde hat ihren Heiligen. Vila do Bispo keinen geringeren als den Heiligen Vinzenz von Valencia (São Vicente de Saragoça), dem Schutzheiligen der ganzen Nation. Und wie jede Gemeinde ihren eigenen Feiertag, den 22. Januar, da geht’s dann um den Heiligen. Der war übrigens mal in Sagres aufbewahrt worden, aber Sagres hat eine andere Schutzheilige.

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