Titel: Ich mag Saramago

Entdecker Saramago

Mit José Saramago Portugal entdecken, das ist ein guter Tipp für Leute, die keine Führer mögen. Denn Saramago führt nicht. Er entdeckt viel mehr immer wieder sein eigenes Land. Und die Leserinnen und Leser entdecken mit ihm, was sie noch nicht kennen.

Ich geb’s ja zu: Manchmal fällt es mir schwer, seinem Sprachfluss zu folgen: José Saramago. Da fließen Gedanken und Geschehnisse ineinander und durcheinander, und dennoch wird eine Geschichte daraus. Doch was ist, wenn ich selbst nicht im selben Tempo mitschwimmen kann, in dem mich Saramagos Strömung treiben lässt? Und das passiert spätestens dann, wenn ich zwischendrin laut auflachen muss. Denn was die Obrigkeiten uns einfachen Menschen an Wilkür und Widersprüchen zumuten, das liest sich wie ein Witz. Obwohl es dem jeweiligen Protagonisten seiner Bücher eher als Irrwitz erscheinen muss, der ihn in den Abgrund ziehen kann.

… der Entdecker

An Saramago kommt kein zeitgenössischer Liebhaber Portugals vorbei. Wie sonst sollten wir die Absurditäten des christlichen Glaubens verstehen (Kain)? Wie sonst sollten wir die Absurditäten von Menschen verstehen, die zur Herrschaft geboren sind (Reise des Elefanten)? Wie sonst sollten wir die Sehnsucht alentejanischer Landarbeiter verstehen (Hoffnung im Alentejo)? Saramago führt uns nicht, denn er ist kein Führer (Portugiesische Reise), sondern ein Entdecker.

Glücklicher Weise wird Saramago ins Deutsche übersetzt. Vieles gibt es also auch in der onleihe zum Ausleihen. Sonst müssen wir weiter fleißig üben, portugiesisch zu lernen.

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