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Tilo Wagner zu Eduardo LOUREnÇO

Am 2.12.20 brachte der Deutschlandfunk in Kultur heute einen Nachruf auf den Philosophen Eduardo Lourenço, der am 1. Dezember mit 97 Jahren starb. Link zum Beitrag.

Der Autor Tilo Wagner stellt Lourenços Antworten auf die Fragen der portugiesischen Identität ab. Wagner ist ein Korrespondent, der in Lissabon lebt. Der Beitrag über Lourenço ist für ihn typisch: faktenreich und sparsam in der Wertung. Leider sind seine Beiträge oft nur als Audio und nicht als Text im DLF abgebildet. Aber die Suche nach seinem Namen beim DLF lohnt sich: Link auf Suche nach Wagner.

Ausbeutung im Alentejo

Es gibt aber auch hin und wieder Orchideen in der Medienlandschaft. So berichtet Claus Bunk in der Portugal-Post vom Mai 2020 über die landwirtschaftlichen Hilfsarbeiter im Alentejo. (Link zur Portugalpost PDF, ab Seite 40) Die alten Großgrundbesitzer produzieren für die EU-Märkte Wein und Obst. Bunk kennt sich im Landkreis Odemira aus und schildert den Zuwachs an Ausbeutung durch die alten Oligarchen der Region. Er hat bei offiziellen Stellen im Landkreis, der Immigranten-Soli SOLIM bei der Grünen Partei PEV und beim Bloco da Esquerda Odemira nachgefragt. Die Folientunnel im Beitragsbild liegen auf den Latifundien bei Almograve, von denen in Claus Bunks Artikel die Rede ist.

Magazin – Beiträge

Immer zu empfehlen …

sind die Hörfunkbeiträge von Tilo Wagner, Korrespondent unter anderem für den Deutschlandfunk:
Suche dort nach Tilo Wagner oder klicke hier druff.

Die heute-Redaktion des ZDF hat eine Reihe ‚heute in Europa‘.

Portugals Start-up-Szene im Aufwind (bis 22.9.21)

Quellen: Fahrradaktivist Gonçalo Peres, Fachbereich Wirtschaft der Universität Nova in Lissabon, Wendy van Leuwen Lissabon, Pedro Sita Vieira Wirtschaftsminister, Joana Bacelar Designerin und Tomáz da Cámara Textil-Drucker

Das ARTE Journal berichtet regelmäßig aus europäischen Ländern.

Die Verantwortung der kolonialen Vergangenheit (bis 5.8.23)

Quellen: Professorin Beatriz Gomes Dias vom Bloco da Esquerda und DJASS, Ângela Barreto Xavier, Vanusa Coxi, Tochter eines Polizei-Opfers, Mamadou Ba SOS Rassismus Portugal

ARTE: Chinesische Investoren willkommen
ARTE: Ist Portugal immun gegen Populismus?

ARD über Portugal

Ein Fakten-Check

Die Tagesschau steht für Qualitätsjournalismus. Skeptisch macht mich ein Bericht des Korrespondenten des Hessischen Rundfunks Oliver Neuroth. Anlass ist ein Streit über eine Mehrheitsbildung des Regionalparlaments auf den Azoren. Die konservative Partei für Soziale Demokratie (PSD) will die rechtsextreme Chega (Es reicht!) beteiligen. Zum Bericht.

Der Korrespondent Oliver Neuroth machte nach Angaben auf tagesschau,de seine Karriere im eigenen Hause, hat aber offensichtlich keine Fachkompetenz für Länder über die er berichtet. Kernkompetenz eines Journalisten ist es, seine Quellen fachgerecht auszuwählen.

Der ARD-Experte aus Portugal

Neuroth beruft sich auf den Soziologen Elisio Estanque, der zeitweise auch in Jena lehrt. Die Universität Coimbra bescheinigt dem Soziologen, ein linker, rebellischer Kämpfer zu sein. Seine Fachgebiete als Soziologe sind Organisationen, seine Publikationen handeln von Gewerkschaften. Die rechtspopulistische Chega! sei seiner Ansicht nach eine portugiesische AfD mit extremeren Positionen. Um die Chega!-Gefahr besonders dramatisch zu zeichnen, zitiert Neuroth den Experten: Dass die Menschen in Portugal so sanft seien, ist eher ein Mythos, sie hätten sogar schon Könige ermordet.

Estanques Vergleich mit der AfD ist in einem entscheidenden Punkt völlig falsch: Das ZDF zeigte kürzlich ein Interview mit Nuno Afonso von Chega Setúbal. Die Rechtsradikalen forderten frühzeitig schärfere Maßnahmen gegen Corona und nutzten dies für romafeindliche Propaganda. Wissenschaftliche Experten müssten eigentlich über die feinen Unterschiede im Bilde sein.

Chega ist nichts Neues

Aber ist Chega! wirklich ein derart neuartiges Politgewächs in Portugal oder einer der zahlreichen Splitter im rechten Gebälk? Seit der Nelkenrevolution betätigt sich die Partido Popular Monárquico PPM auf dem Gebiet der Restauration einer ständisch-reaktionären Monarchie. Sie wurde in den 80ern von der konservativen Partei für soziale Demokratie PSD Huckepack genommen. Bei den letzten EU-Wahlen ging sie als Basta! gemeinsam mit Chega! Das reichte aber nicht für ein Mandat, Chega-Führer Ventura musste lauter brüllen.

Chega ist André Ventura

Chega ist seit 2019 das politische Kleid von André Claro Amaral Ventura, Jurist, 37, viele Jahre PSD-Mitglied. Chega gründete er, nachdem es dem 35-jährigen 2017 nicht gelungen war den PSD-Vorsitzenden Rui Fernando da Silva Rio zu stürzen. Bei den nationalen Wahlen bekam er einen Sitz in der Republikversammlung, dem portugiesichen Parlament. Zum Vergleich: Ebenso viele Sitze bekam die linke Livre der Diem-25-Bewegung des griechischen Europapolitikers Yanis Varoufakis . War das der ARD jemals einen Bericht wert? Nein!

Ironie des portugiesischen Wahlvolks

Das wäre für die ARD auch zu viel Ironie, denn: Chega will die Kommunisten von PCP und BE aus dem Paralement verbannen. Und was passiert? Zeitgleich mit Chega zieht eine weitere linkssozialistische Abgeodnete ins Parlament ein. Obwohl manche Umfragen die Partei des Chega!-Schaumschlägers à la Alt-Right im Höhenflug bei sieben bis zehn Prozent sehen, reichte es auf den Azoren für lediglich 5%. Angeblich fordert Ventura die chemische Kastration aller Wüstlinge, nun ja, wir wissen ja, dass der deutsche Richter gandenlos selbst ein Junkie war.
Einen ausführlichen und fundierten Artikel über die neuen Nazis in Portugal hat Jan Marot in der Jungle World veröffentlicht.

Die Wege der PSD

Die konservativen Gruppen hatten es 2011 geschafft, eine gemeinsame Plattform zu bilden und stellten bis 2015 die Regierung. Nach liberaler Sparpolitik verlor sie 2015 die Mehrheit auf nationaler Ebene erneut an Sozialisten und Kommunisten. Die konservative Plattform unter Führung der PSD zerbrach wieder. 2019 legten die sozialistsichen Regierungsparteien noch einmal um 4% zu, die konservativen Parteien verloren erneut weitere 6% Anteil am Mandate-Kuchen. Das konnten auch die beiden Newcomer Chega und Liberale nicht ausgleichen.

Jetzt also versucht es Rios PSD mit ihrem Ex-Mitglied Chega auf den Azoren, um im Regionalparlament der Azoren mit fünf Partnern auf 29 Mandate zu kommen. Die drei linken Partner Sozialisten (PS), Linksblock (BE) und Tierschützer (PAN) haben 28 Mandate. Zu den möglichen rechten Partnern der PSD gehört neben der monarchistischen Partei selbst auch eine azorische monarchistische Abspaltung. Dazu gehören auch die Liberalen der IL, die kürzlich die Nelkenrevolution von 1974 als Übergang einer rechten Diktatur in eine linke Diktatur diffamierte. Auch sie will also die alte Oligarchie nach dem Vorbild des Neustaats restaurieren. Vorerst bleibt also festzuhalten: Noch spaltet sich die portugiesische Rechte fleißig weiter. Die Portugiesen sind nicht sanfter als ihre maurischen, westgotischen, keltischen und britischen Vorfahren, Rassismus haben sie als Kolonialherren gelernt, und André Venturas Großmaul gibt einen herrlichen Anlass auch Ruis PSD anzuklagen.

Meine Empfehlung an die Tagesschau: Sprachkurse für Korrespondenten!

In deutscher Sprache informierte ARTE bereits über das Potenzial einer rechtsradikalen Partei und hatte einen echten Experten dazu interviewt. Ich habe den Beitrag hier eingebunden: Link zur Magazin-Seite.

In Echt: Ökologisches Studienprojekt

Das Gut Herdade do Freixo do Meio ist ein kooperativ organisiertes Projekt für die ökologische Produktion von Lebensmitteln. Hier wurden ausgelaugte Böden durch tradierte Methoden wieder fruchtbar gemachet. Für den wirtschaftlichen Erfolg nutzt das Landgut vorwiegend Direktvermarktung, wendet Vermarktungsformen der solidarischen Landwirtschaft an (Biokiste) und nutzt alle Formen der handwerklichen Veredelung seiner Erzeugnisse.

Die Herdade de Freixo do Meio liegt im Alto Alentejo, im Distrikt Evora. Sie gehört zur Kommune Foros de Vale Figueira auf der IC 10 auf helbem Wege zwischen Lavre und Montemor-o-Novo.


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Eine der agroforstlichen Anbauformen beschreibt Alfredo Cunhal Sendim in der Agrarzeitschrift ‚Voz do Campo‚. Saatkartoffeln werden auf die Erde gelegt und dann mit einer 10 cm dicken Schicht klein geschnittener Eukalyptuszweige bedeckt. Die kleinen Zweige sich recht dünn und werden in handlange Stücke geschnitten. Wie auch unter Strohmulch entwickeln sich die Kartoffelpflanzen ebenso wie im Boden, nur sauberer.

Die Methode stammt ursprünglich aus Kanada und ist als BRF im französisch sprachigen Raum verbreitet. Das Mulchen mit Material von Bäumen soll die Humusbildung besonders gut anregen. Die Ideengeber des Verfahrens sehen im Wald das leistungsstärkste Zusammenwirken von Bodenorganismen und Pflanzen für eine rasche Entwicklung der Fruchbarkeit. Im Anbau speichert der Mulch auch kondensierte Feuchtigkeit aus der Luft, so dass Wasser effektiver genutzt werden kann. Pilzmyzele, die sich im Boden bilden, verstärken den Effekt.

Tigermücken im Algarve

Der Linksblock BE und die Traditionskommunisten der PCP konkurrieren eifrig die besseren Ökologen des Landes zu sein. Esquerda.net berichtet, dass im Algarve die Asiatische Tigermücke gesichtet wurde. Sie gilt als Überträgerin des Erregers für Dengue-Fieber (Dengue-Virus) und für Gelbfieber (Zika-Virus). Die Mücke wurde in Faro und Loulé nachgewiesen worden, habe aber keine Viren getragen.

Die Mücke mag kleine Pfützen mit sauberem Wasser, kein Salz- oder Brackwasser. Die Bevölkerung solle also nichts rumliegen lassen, wo sich sauberes Wasser ansammeln könne. Die Gesundheitsbehörde habe Fallen aufgestellt, mit denen die Zahl der stechenden Vampire niedrig gehalten werden sollen.

Nachrichten aus Portugal

Es ist nicht leicht, sich aktuell über Portugal zu infomieren. Keines des deutschen Qualitätsmedien schafft es, einen Einblick in das EU-Land zu geben. Die meisten Korrespondenten leben in Madrid oder Barcelona.

Im Original lesen

Gute Beiträge in deutschen Medien sind knapp. Wie unser Fakten-Check eines tagesschau-Berichts zeigt, springen die Korrespondenten auf abgedroschene Sensationsthemen auf. Unsere beste Chance ist es, an die Originale zu gehen. Vielleicht schon begleitend zu einem Sprachkurs? Bis ein Sprachkurs fruchtet, müssen die Übersetzungstools von Google oder Reverso helfen, die auch Erweiterungen für die Browser anbieten. Das ist dann sehr lustig zu lesen. Die Google-Suche nach ‚Noticias de Portugal‘ fand unter anderen:

Zeitgemäßes News Portal

Das Nachrichten-Portal ‚Notícias ao minuto‚ nutzt die Mittel einer Webseite augenfreundlich. Wer es schafft dort den Fuß einer Webseite zu erscrollen, kann auch den Link zur Equipa finden. Auf den ersten Blick fällt auf, warum dieses Nachrichtenportal den Ruf verdient, auf der Höhe der Zeit zu sein. Für Neuankömmlinge sicherlich eine gute Adresse.

News-Suche

Wer eher auf konservative, alt eingesessene Medien steht, kann die jeweils aktuellen Meldungen bei Google News abrufen: https://news.google.pt Die Auswahl ist ebenso konventionell wie solide.

Bezahlportal

Ebenfalls ein Kind des Webs ist Politico. Nirgendwo sonst finde ich übersichtlich die Wahlergebnisse aus aller Welt. Echt europafreundlich, das Portal. Sie haben auch eine Seite für Nachrichten aus Portugal.

So weit so schön, aber alle Teaser, bei denen das Politico ‚P‘ leuchtet, sind mit einer Bezahlschranke versehen. Sie sind Original-Publico-berichte, in denen dann aber auch nichts anderes steht wie bei Notícias ao minuto.

Kompakte Info-quelle

Der als wiki gekennzeichnete Blog ‚leben-in-portugal.wiki‘ gibt einen guten Überblick über viele praktische und rechtliche Fragen. Quellenangaben sind auf journalistische Weise ordentlich zu überprüfen. Jedes Thema im Menü wird mit klar abgegrenzten Artikel gut beschrieben.

Als Ansprechpartnerin funkgiert die bayrische Journalistin Christina Zacker. Verantwortlich für den Blog zeichnet laut Bizz-Community linked-in eine Programmiererin in Ausbildung verantwortlich. Offensichtlich wird der Blog seit März 2020 nicht mehr gepflegt, die Seiten für Auswanderer dürften dennoch aktuell genug sein.

Entdecker Saramago

Mit José Saramago Portugal entdecken, das ist ein guter Tipp für Leute, die keine Führer mögen. Denn Saramago führt nicht. Er entdeckt viel mehr immer wieder sein eigenes Land. Und die Leserinnen und Leser entdecken mit ihm, was sie noch nicht kennen.

Ich geb’s ja zu: Manchmal fällt es mir schwer, seinem Sprachfluss zu folgen: José Saramago. Da fließen Gedanken und Geschehnisse ineinander und durcheinander, und dennoch wird eine Geschichte daraus. Doch was ist, wenn ich selbst nicht im selben Tempo mitschwimmen kann, in dem mich Saramagos Strömung treiben lässt? Und das passiert spätestens dann, wenn ich zwischendrin laut auflachen muss. Denn was die Obrigkeiten uns einfachen Menschen an Wilkür und Widersprüchen zumuten, das liest sich wie ein Witz. Obwohl es dem jeweiligen Protagonisten seiner Bücher eher als Irrwitz erscheinen muss, der ihn in den Abgrund ziehen kann.

… der Entdecker

An Saramago kommt kein zeitgenössischer Liebhaber Portugals vorbei. Wie sonst sollten wir die Absurditäten des christlichen Glaubens verstehen (Kain)? Wie sonst sollten wir die Absurditäten von Menschen verstehen, die zur Herrschaft geboren sind (Reise des Elefanten)? Wie sonst sollten wir die Sehnsucht alentejanischer Landarbeiter verstehen (Hoffnung im Alentejo)? Saramago führt uns nicht, denn er ist kein Führer (Portugiesische Reise), sondern ein Entdecker.

Glücklicher Weise wird Saramago ins Deutsche übersetzt. Vieles gibt es also auch in der onleihe zum Ausleihen. Sonst müssen wir weiter fleißig üben, portugiesisch zu lernen.